Einzelbetriebliche und regionale Veränderungen der Direktzahlungen
Mit der Weiterentwicklung des Direktzahlungssystems, die 2014 in Kraft getreten ist, sind mehrere freiwillige Direktzahlungsprogramme hinzugekommen. Dies sind der Landschaftsqualitätsbeitrag, der Beitrag für graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion, die Ressourceneffizienzbeiträge sowie der Beitrag für Biodiversitätsförderflächen im Sömmerungsgebiet. Um den Übergang vom alten ins weiterentwickelte System abzufedern werden zudem befristet Übergangsbeiträge ausgerichtet. Gestrichen wurden insbesondere Massnahmen im Bereich der allgemeinen Direktzahlungen. So wird heute kein allgemeiner Flächenbeitrag mehr ausgerichtet und die Beiträge für Raufutter verzehrende Nutztiere (RGVE-Beitrag) sowie für Tierhaltung unter erschwerenden Produktionsbedingungen (TEP-Beitrag) wurden in flächenbezogene Versorgungssicherheitsbeiträge umgelagert.
Der Systemwechsel hatte Umverteilungen der finanziellen Mittel zur Folge. Nachfolgend wird aufgezeigt, wie sich die Verteilung der Direktzahlungen zwischen 2013 und 2015 auf einzelbetrieblicher und räumlicher Ebene ausgewirkt hat.
Direktzahlungen pro Betrieb
Betrachtet man die durchschnittlichen Direktzahlungen pro Betrieb (siehe folgende Grafik), fällt zunächst auf, dass mit ansteigender Höhenlage der Betriebe die DZ zunehmen. Die Betrachtung der Entwicklung über die Zeit zeigt, dass die DZ in der Hügelzone sowie in der Bergzone I in den letzten drei Jahren weitgehend stabil blieben. Die Betriebe der Bergzonen II-IV und insbesondere die Sömmerungsbetriebe erhielten 2015 durchschnittlich mehr Direktzahlungen als noch 2013. Demgegenüber haben die Talbetriebe heute im Mittel tiefere Direktzahlungen als vor der Weiterentwicklung des DZ-Systems. Es ist zu beachten, dass es sich um Durchschnittswerte handelt und die Werte der Einzelbetriebe sehr stark von diesen Durchschnittswerten abweichen können.
Betriebe mit mehr als 150 000 Franken Direktzahlungen und ihre Eigenschaften
Seit 2013 hat sich die Zahl der Betriebe, die pro Jahr mehr als 150 000 Franken Direktzahlungen erhalten von 1 029 Betrieben über 1 310 (2014) auf 1 366 im Jahre 2015 erhöht. Von 2013 auf 2015 entspricht dies einer Zunahme von 33 %. Zu beachten ist, dass trotz des relativ starken Anstiegs nur etwa 3 % der Betriebe betroffen sind.
Betrachtet man die Veränderung der Anzahl von Betrieben nach Klassen der ausbezahlten DZ pro Betrieb und vergleicht die Jahre 2013 bis 2015, ergibt sich das folgende Bild.
Anzahl von Betrieben nach Klassen erhaltener Direktzahlungen
Direktzahlungen pro Betrieb (Franken) | 2013 | 2014 | 2015 | |||
Betriebe | Anteil | Betriebe | Anteil | Betriebe | Anteil | |
bis 25 000 | 10 052 | 20,6 % | 10 151 | 21,3 % | 10 037 | 21,4 % |
25 000 bis 50 000 | 15 824 | 32,5 % | 15 627 | 32,8 % | 15 324 | 32,7 % |
50 000 bis 100 000 | 17 652 | 36,2 % | 16 476 | 34,6 % | 16 059 | 34,3 % |
100 000 bis 150 000 | 4 162 | 8,5 % | 4 036 | 8,5 % | 4 039 | 8,6 % |
150 000 bis 200 000 | 772 | 1,6 % | 932 | 2,0 % | 948 | 2,0 % |
200 000 bis 300 000 | 223 | 0,5 % | 330 | 0,7 % | 357 | 0,8 % |
über 300 000 | 34 | 0,1 % | 48 | 0,1 % | 61 | 0,1 % |
Total | 48 719 | 100 % | 47 600 | 100 % | 46 825 | 100 % |
Quelle: BLW
Aus der Tabelle ist ersichtlich, dass nicht nur die Anzahl der Betriebe in allen drei Klassen mit DZ über 150 000 zugenommen hat, sondern auch in anderen Klassen Stabilität oder zumindest anteilsmässige Zuwächse zu verzeichnen sind.
Analysiert man die Betriebe mit mehr als 150 000 Franken DZ hinsichtlich ihres Betriebstyps sieht man, dass fast alle von dem Zuwachs profitiert haben und nur Veredlungsbetriebe von der Zunahme ausgenommen sind.
Anzahl der Betriebe mit mehr als 150 000 Franken DZ pro Betrieb und Jahr und prozentuale Veränderung 2013-2015 nach Betriebstypen
Betriebstyp | 2013 | 2014 | 2015 | Entwicklung 2013-2015 |
110 Ackerbau | 30 | 43 | 56 | +86 % |
110 Spezialkulturen | 26 | 32 | 34 | +46 % |
120 Andere Veredelung | 1 | 0 | 1 | 0 % |
120 Anderes Rindvieh | 34 | 56 | 51 | +47 % |
120 Mutterkühe | 98 | 178 | 180 | +84 % |
120 Pferde / Schafe / Ziegen | 33 | 49 | 48 | +54 % |
120 Veredelung | 25 | 10 | 9 | -64 % |
120 Verkehrsmilch | 348 | 480 | 482 | +38 % |
150 Kombiniert Andere | 188 | 204 | 226 | +20 % |
150 Kombiniert Mutterkühe | 55 | 64 | 71 | +26 % |
150 Kombiniert nicht zuteilbar | 62 | 59 | 65 | +5 % |
150 Kombiniert Veredelung | 129 | 135 | 143 | +11 % |
Total | 1 029 | 1 310 | 1 366 | +33 % |
Quelle: BLW
Eine Zunahme von Betrieben in der Gruppe der Betriebe, die mehr als 150 000 Franken DZ erhalten (im folgenden «über 150 000er») war insbesondere bei Ackerbau- und Mutterkuhbetrieben sowie bei Betrieben mit Pferden, Schafen oder Ziegen zu beobachten. Unterdurchschnittlich profitiert haben alle Typen von kombinierten Betrieben.
Nachfolgend sind die 150 000er-Betriebe auf gewisse Struktureigenschaften hin dargestellt.
Anzahl der Betriebe mit mehr als 150 000 Franken DZ pro Betrieb und Jahr und prozentuale Veränderung 2013-2015 nach ausgewählten Strukturmerkmalen
Betriebstyp | 2013 | 2014 | 2015 | Entwicklung 2013-2015 |
Alle Betriebe | 1 029 | 1 310 | 1 366 | 33 % |
durchschnittliche SAK dieser Betriebe | 6 | 5,8 | 5,8 | -3 % |
davon weniger als 40 ha LN | 22 | 56 | 56 | 155 % |
davon Betriebsgemeinschaften | 307 | 290 | 297 | -3 % |
davon Bio | 235 | 388 | 390 | 66 % |
davon mit SAK-Kürzung | 2 | 2 | 3 | 50 % |
davon im Talgebiet | 489 | 537 | 591 | 21 % |
davon im Berggebiet | 540 | 773 | 775 | 44 % |
davon mit mehr als 50% BFF | 75 | 174 | 172 | 129 % |
davon mit mehr als 25% BFF | 236 | 470 | 473 | 100 % |
Tal, nicht Bio, nicht BG, <25% BFF | 201 | 233 | 264 | 31 % |
nicht Bio, nicht BG, <25% BFF | 425 | 482 | 517 | 22 % |
Quelle: BLW
Es zeigt sich, dass im Jahre 2015 im Vergleich zum Jahre 2013 Betriebe des biologischen Landbaus mit +66 % überproportional in dieser Gruppe zunahmen. Talgebietsbetriebe nahmen unterproportional (+21 %) und Bergbetriebe mit +44 % überproportional zu. Eine sehr starke Zunahme verzeichnen zudem Betriebe, die einen hohen Anteil an Biodiversitätsförderflächen (BBF) an der LN haben.
Bei den Betriebsgemeinschaften, die knapp ein Viertel der über 150 000er Gruppe ausmachen, ist zwischen 2013 und 2015 keine Zunahme zu verzeichnen.
Hohe DZ pro Betrieb – Erklärungsansätze
Eine wesentliche Erklärung für die steigende Anzahl der Betriebe, die mehr als 150 000 Franken DZ pro Jahr erhalten, liegt in den Änderungen bei den Abstufungen. Bis 2013 wurden alle Direktzahlungsbeiträge ab einer Fläche von 40 ha abgestuft. Heute gilt die Abstufung nur noch für den Basisbeitrag der Versorgungssicherheitsbeiträge und zwar ab der 60sten Hektare. Ausserdem wurde die Abstufung nach Tieren per 2014 ganz gestrichen. Das bewirkt, dass grosse Betriebe mit vielen Tieren heute mehr DZ erhalten als vor der AP 14-17.
Ein weiterer Grund für die Zunahme der «über 150 000er» Betriebe ist, dass Kürzungen aufgrund des Einkommens bzw. des Vermögens, die bis 2013 für alle DZ-Arten galten, seit 2014 nur noch beim Übergangsbeitrag Anwendung finden. Zudem hat die zunehmende Beteiligung bei den freiwilligen DZ-Programmen dazu geführt, dass mehr Betriebe über 150 000 Franken Direktzahlungen erhalten.
Ebenfalls ein Grund für die steigende Anzahl der Betriebe, die mehr als 150 000 Franken DZ pro Jahr erhalten, ist der Strukturwandel, also die Abnahme der Zahl der Betriebe, und das damit verbundene Flächenwachstum der Betriebe. So gab es 2015 1,6 % weniger Ganzjahresbetriebe mit Direktzahlungen als 2014 und im Vorjahr nahm die Zahl dieser Betriebe um 2,3 % ab. In der Folge lag die durchschnittliche Betriebsgrösse der DZ-berechtigten Betriebe 2013 bei 22,29 ha LN und hat bis 2015 auf 24,91 ha zugenommen (+ 12 %). Bei einem stabilen Budget, das über immer weniger Betriebe «verteilt» wird, steigen die durchschnittlichen DZ pro Betrieb an.
Betrachtet man also die Veränderungen der DZ pro Betrieb über die Zeit, so wird ersichtlich, dass neben dem Budget des Bundes und der Ausgestaltung der Direktzahlungen auch der Strukturwandel einen wesentlichen Einfluss auf diese Entwicklung hat.
Entwicklung der räumlichen Verteilung der Direktzahlungen
Basierend auf den einzelbetrieblichen Direktzahlungsdaten 2013 und 2015 wird in der nachfolgenden Grafik aufgezeigt, wie sich die Mittelverteilung mit dem Systemwechsel in den Gemeinden der Schweiz prozentual verändert hat:
Generell zeigt sich, dass tendenziell mehr Direktzahlungen zu Betrieben in Gemeinden im Alpenraum und im Jurabogen fliessen. Im Gegenzug erhalten die meisten Betriebe in Gemeinden des Mittellandes heute weniger Direktzahlungen als 2013. Ein analoges Bild zeigt sich auch, wenn man die Veränderung der ausbezahlten Direktzahlungen pro Zone vergleicht.
Die Umlagerung der Beiträge vom Tal- und Hügelgebiet ins Berggebiet ist gewollt. Die instrumentellen Gründe für die räumlichen Veränderungen der Direktzahlungsverteilung sind folgende:
Der neu eingeführte Offenhaltungsbeitrag – wie auch der Produktionserschwernisbeitrag – steigt mit zunehmender Zone an.
Beiträge wie der Sömmerungsbeitrag oder der erhöhte Hangbeitrag, die primär dem Berggebiet zu Gute kommen, wurden erhöht.
Der mit der AP 14-17 eingeführte Steillagenbeitrag kommt praktisch ausschliesslich dem Hügel- und Berggebiet zu Gute, weil dort Betriebe mit hohem Anteil an steilen Flächen liegen. Gleiches gilt für den Biodiversitätsbeitrag für artenreiche Grün- und Streueflächen im Sömmerungsgebiet.
Die Biodiversitätsbeiträge im Berggebiet wurden erhöht. Dies betrifft einerseits die Beiträge für die Qualitätsstufe II als auch den Vernetzungsbeitrag.
Beim Landschaftsqualitätsbeitrag resultieren pro Hektare landwirtschaftliche Nutzfläche im Berggebiet leicht höhere Beiträge als im Talgebiet.
Für den Beitrag für graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion liegt die Beteiligung im Berggebiet deutlich höher als im Talgebiet.
Es ist zu beachten, dass es auch innerhalb der Zonen zu Umverteilungen kam. Dies ist v.a. darauf zurück zu führen, dass tierbezogene Beiträge zu nach Fläche ausgerichteten Versorgungssicherheitsbeiträgen umgelagert wurden. Davon profitieren Betriebe in Regionen, in denen eher extensiv gewirtschaftet wird (z.B. Jurabogen, Wallis, Ostalpen).
Simon Lanz, BLW, Fachbereich Agrarökonomie, Raum und Strukturen, simon.lanz@blw.admin.ch
Susanne Menzel, BLW, Fachbereich Agrarökonomie, Raum und Strukturen, susanne.menzel@blw.admin.ch
Mein Agrarbericht
Auswahl:
Stellen Sie sich Ihren eigenen Agrarbericht zusammen. Eine Übersicht aller Artikel finden Sie unter «Service».