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Die im öffentlichen Interesse erbrachte Forschung, deren Resultate die Bundesverwaltung zur Erfüllung ihrer Aufgaben benötigt, wird als Ressortforschung bezeichnet. Die Mehrjahresprogramme der Ressortforschung werden in Form von ressortübergreifenden Forschungskonzepten erarbeitet. Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) ist vom Bundesrat beauftragt, ein Forschungskonzept für den Politikbereich Landwirtschaft zu verfassen. Nun liegt das neue Forschungskonzept Land- und Ernährungswirtschaft für die Jahre 2017–2020 vor. Es zeigt anhand verschiedener Elementen die Einbettung der Ressortforschung in die Forschungslandschaft auf.

Im Auftrag des BLW hat das World Food System Center der ETH Zürich eine umfassende Darstellung der globalen und nationalen künftigen Entwicklungen hinsichtlich der landwirtschaftlichen Produktion und Ernährung der Bevölkerung erarbeitet. Daraus können die für die Ressortforschung bedeutenden Herausforderungen abgeleitet werden. Eine Analyse der internationalen Strategien zeigt des Weiteren, dass die internationalen und nationalen Forschungsschwerpunkte weitgehend deckungsgleich sind. Somit können einerseits die hervorragenden Kompetenzen der Schweizer Forschung in internationale Forschungsprogramme wie Horizon 2020 eingebracht werden. Andererseits erhält die Schweiz im Rahmen internationaler Forschungskooperationen Zugang zu aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und Entwicklungen. 

Mit den nationalen Strategien begegnet der Bundesrat frühzeitig dem gesellschaftlichen, technologischen und wirtschaftlichen Wandel sowie neuen Herausforderungen. Die Strategien werden mit Aktions- und Massnahmenplänen umgesetzt und enthalten wichtige, die Forschung betreffende Aspekte. Einige Strategien richten ihre Ziele innerhalb des Ernährungssystems entlang der Wertschöpfungskette aus, beispielsweise der Aktionsplan zur Risikominimierung und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln, die Strategie Pflanzenzüchtung sowie die Strategie Lebensmittelkette. Eine weitere Gruppe von Strategien reicht vom Ernährungssystem bis in andere Bereiche des nationalen Umfelds hinein. Ein Beispiel hierfür ist die Strategie Antibiotikaresistenzen. Eine dritte Gruppe von Strategien zielt auf umfassende, sektorübergreifende Herausforderungen und wirkt signifikant auf die Entwicklung des Ernährungssystems. Hier ist insbesondere die übergeordnete Strategie Nachhaltige Entwicklung zu erwähnen. 

Die Themenvielfalt rund um die Land- und Ernährungswirtschaft spiegelt sich in der Anzahl und Ausrichtung der Schweizer Forschungsakteure, wobei sich die verschiedenen Institutionen aufgrund ihres unterschiedlichen Fokus in den Bereichen Grundlagenforschung, anwendungsorientierte Grundlagenforschung und angewandte Forschung sinnvoll ergänzen können. Eine Analyse der Forschungsaktivitäten zeigt ausserdem ein weitreichendes Potenzial an Synergien. Um dieses zu nutzen, bietet die Schweizer Forschungslandschaft zahlreiche Formen der Vernetzung. Die Vernetzungen unterstützen je nach Ausrichtung den wissenschaftlichen Austausch der Forschungsakteure oder sie fördern die inter- und transdisziplinäre Zusammenarbeit. Zudem unterstützen verschiedene Instrumente der Schweizer Förderinstitutionen die Zusammenarbeit. So wird mit Nationalen Forschungsprogrammen und Forschungsschwerpunkten die koordinierte Forschung gefördert, während die Kommission für Technologie und Innovation (KTI) als Bindeglied zwischen Wissenschaft und Privatwirtschaft aktiv ist. 

Innovation kristallisiert sich zunehmend als Schlüsselthema für die Weiterentwicklung einer wettbewerbsfähigen, ressourceneffizienten und nachhaltigen Land- und Ernährungswirtschaft heraus. Von besonderer Bedeutung ist dabei ein Innovationsprozess, der die Gesamtheit der Akteure in Forschung, Bildung, Beratung sowie landwirtschaftlicher Praxis bis zu den Konsumentinnen und Konsumenten miteinbezieht. Werden Nutzerinnen und Nutzer bereits bei der Definition von Forschungs- und Entwicklungsprojekten einbezogen, können Entwicklungen stärker auf deren Bedürfnisse ausgerichtet und der spezifische soziale, ökonomische und ökologische Kontext einer Innovation besser berücksichtigt werden. Im Sinne einer effizienteren Nutzung finanzieller Ressourcen und potenzieller Synergien sollen die bestehenden Förderinstrumente des BLW künftig stärker verknüpft werden. 

Als Kompetenzzentrum des Bundes im Bereich der Agrarpolitik kommt dem BLW die zentrale Aufgabe zu, seinen Forschungsbedarf in Bezug auf die Weiterentwicklung der Agrarpolitik und die Evaluation der agrarpolitischen Massnahmen frühzeitig zu formulieren und mit geeigneten Instrumenten abzudecken. Dem Amt stehen dazu a priori die periodischen Leistungskontrakte mit Agrarforschungspartnern sowie die spezifischen Forschungsaufträge und -beiträge zur Verfügung, wobei den jährlichen Leistungsvereinbarungen mit Agroscope und dem vierjährigen Leistungsauftrag mit dem FiBL eine besondere Bedeutung zukommt. Für Forschungsaufträge und -beiträge liegt der Finanzierungsaufwand des BLW für die Periode 2017–2020 bei 48 Millionen Franken, davon gehen rund 29 Millionen Franken an das FiBL. Der Finanzierungsaufwand für die Agroscope-Ressortforschung liegt in der gleichen Periode bei 434 Millionen Franken.

Agroscope ist das Kompetenzzentrum des Bundes für die landwirtschaftliche Forschung und forscht für ein nachhaltiges, resilientes Agrar- und Ernährungssystem, eine gesunde Ernährung mit hochwertigen Lebensmitteln und für eine intakte Umwelt zum Nutzen von Gesellschaft, Politik und Praxis. Die Aufgaben von Agroscope umfassen Forschung für die Weiterentwicklung der Sektoralpolitiken der Land- und Ernährungswirtschaft und für die Praxis, Forschung und Entwicklung von Produkten und Methoden für die Akteure der Land- und Ernährungswirtschaft sowie Wissensaustausch und Technologietransfer. Des Weiteren führt Agroscope im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben Vollzugsaufgaben durch und unterstützt das BLW in Form von Vollzugshilfen beim Vollzug. 

Das FiBL ist eine gemeinnützige Stiftung und hat zum Zweck, die Methoden des Biolandbaus wissenschaftlich zu verbessern und Landwirtinnen und Landwirte zu beraten. Die Aufgaben umfassen Forschung für die biologisch wirtschaftenden Landwirtinnen und Landwirte der Schweiz sowie für die vor- und nachgelagerte Industrie und eine nachhaltige Landnutzung; Forschung und Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen; Forschung und Beratung für Entwicklungs- und Schwellenländer; Beratung und Bildung sowie Dienstleistungen für den Vollzug der Schweizer Bioverordnung.

Die agrarpolitische Strategie setzt sich das übergeordnete Ziel einer nachhaltigen Land- und Ernährungswirtschaft im Zeithorizont 2025. Die Strategie wird im Sinne von perspektivgebenden Eckwerten für die Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft konkretisiert. Die Eckwerte werden mit der Politik für den erfolgreichen Absatz auf den Märkten von heute und morgen, für Kulturlanderhaltung, ressourcenschonende Produktion von Nahrungsmitteln und Umweltleistungen sowie für die unternehmerische Entfaltung der Betriebe in der Land- und Ernährungswirtschaft umschrieben. Mit den Verknüpfungen der drei perspektivgebenden politischen Ziele sollen nachhaltige Produktionsformen, nachhaltige Produkte und Leistungen hervorgebracht werden, die wettbewerbsfähig sind, eine hohe Qualität aufweisen und deren Ausführung und Entstehung für alle transparent sind. Die Land- und Ernährungswirtschaft versteht sich dabei als Nutzerin und Bewahrerin der Produktionsressourcen.

Agroscope leitet aus dieser Strategie drei Handlungsfeldern ab: i) Wettbewerbsfähigkeit verbessern, ii) Nachhaltiger Umgang mit Ressourcen, iii) Chancen ausbauen, Risiken minimieren und bearbeitet sie mit 17 strategischen Forschungsfeldern (SFF). Die inhaltliche Ausrichtung der SFF wird im Arbeitsprogramm 2018–2021 konkretisiert.

Juliana Zweifel, Markus Lötscher, BLW, Fachbereich Forschung, Beratung und Evaluation, markus.loetscher@blw.admin.ch